Das Geschäft mit der Reputation
„2/3 aller Arbeitgeber geben freimütig zu, dass Sie Ihre Angestellten regelmäßig auf Social-Networking-Webseiten wie MySpace und Facebook suchen und überprüfen.“ -Sacramento Bee, April
„35% von 100 Personalchefs haben im letzten Jahr einen Bewerber aufgrund von Informationen, die Sie online über ihn gefunden haben, abgelehnt (2005 waren es noch 26%).“ -ExecuNet Survey
Mit solchen Headlines ködert die kanadische Online-Firma ReputationDefender, Inc. verunsicherte Internetnutzer. Die Dienstleistung ist simpel formuliert: „Wir sorgen dafür, dass Online-Informationen über Sie Ihrem Ruf nicht schaden.“ Ausgebildete Internet-Experten nutzen eine Reihe von Techniken um ungewünschten Web-Inhalt zu korrigieren oder gegebenenfalls zu entfernen. Für 10 Euro im Monat ist man als Privatperson dabei.
Der „Porsche Bluffer“ (Blick Print und Online Ausgabe vom 10. März. 2008 ) wäre ein guter Kunde von ReputationDefender gewesen. Für ihn ist es aber nun zu spät, sein Gesicht kennt zurzeit mindestens jeder Blickleser. Seine im Internet auf Youtube zur Schau gestellte Raserei mit Sonnenbrille und ausgestreckter Zunge hat nicht nur Journalisten sondern auch die Stadtpolizei Zürich auf den Plan gerufen, welche nun nach ihm fahndet.
Die Dienstleistung macht einen seriösen Eindruck und entspricht dem Zeitgeist. Das Medium Internet befruchtet sich auf diese Weise selbst. Ein durch die Dienstleistungen von Facebook, Youbube und Flickr etc. entstandenes Problem wird durch einen anderen Anbieter wieder in Ordnung gebracht.
Wäre ReputationDefender’s Feedback über diesen Blog zwecks Selbstversuch das Geld wert?
Tags: Porsche-Bluffer, Reputation Defender
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April 16, 2008 at 2:59
Hallo Matthias
Wieder einmal ist dir ein aussergewöhnlich interessanter Artikel gelungen. Ich hätte niemals gedacht, dass wirklich so viele Personalchefs „googeln“. Was mich ebenfalls ziemlich irritiert ist, wie Personen immer mehr zur Selbstdarstellung im Internet neigen. Meines Erachtens ist es ziemlich dämlich (wenn ich das hier so salopp formulieren darf), sich bei der Raserei auf der Autobahn oder einer feucht-fröhlichen Party zu filmen und dies dann auch noch online zu stellen. Aber wie es scheint, resultiert daraus ein prima Geschäft, wie die kanadische Webseite zeigt. Fraglich ist für mich höchstens, wieso die Personen sich die peinlichen Ausrutscher nicht bereits vorher überlegen, anstatt dann nur noch „Kosmetik-Arbeit“ zu betreiben, welche auch noch bezahlt werden muss. Ich bin da wohl zu kritisch und auch übervorsichtig, von mir existieren weder Bilder noch persönliche Daten im Netz (soviel ich weiss…). Ausgenommen ist der Blog!
Bis bald
Sonja